
An dem Wettbewerb für die Ausschreibung von seeside haben acht renommierte Architekturbüros teilgenommen. Ihr Projekt hat überzeugt. Warum?
MARTIN BÄCHLE: Das Projekt findet seine Inhalte in der Umgebungsstruktur der Nachbarbebauung und geht so sehr speziell mit einer Interpretation auf den Ort ein. Unser Konzept gibt der Gegend etwas Ursprüngliches, Elementares. Die vorgefundene, teilweise aufgeschüttete Landschaftsform wird zurückgebaut, die eigentliche Topografie wird freigelegt und die aus dem Boden aufsteigenden neuen Hausformen sind zugleich eine Reverenz an die teilweise noch vorhandenen Hofgebäude – winkelartige Figuren, die einen Hof einschließen. Das war das Apriori, die Leitidee. Allerdings wollten wir diese Form nicht reproduzieren, sondern deren Intensität steigern, die Dynamik des Grundstückgefälles zum See hin thematisieren. Wir entwickelten verschachtelte Kuben, Rechteckformen, die im rechten Winkel versetzt sind. Das Resultat ist ein exaktes Darüber-hinaus, das auf die Abwärtsbewegung verweist.
Können Sie das genauer erklären?
KARIN MEID-BÄCHLE: Aufgrund der Auskragungen der oberen Geschosse entsteht der Eindruck, dass die Bauten dem See entgegenstreben – als würden sie den Hang hinunterplätschern. Gleichzeitig haben die Baukörper einen monolithischen Charakter, der sie fest in die Erde verankert. Es handelt sich um rechtwinklige Hausfiguren, die nicht nur den gestalterischen Rahmen unserer architektonischen Erzählung bilden, sondern zugleich auch deren Sprache sind, die – Wort für Wort, Stein für Stein – die Gebäude entstehen lässt.
Und was deutet der rechte Winkel für die Bewohner?
MARTIN BÄCHLE: Mies van der Rohe sagte einmal, Bauen ist Dienen. Und das kann man sowohl auf die Tätigkeit des Architekten als auch auf sein Instrumentarium, in diesem Fall den rechten Winkel, beziehen, der ja auch das Innenleben der Kuben bestimmt. Die Innenräume geben den Bewohnern die Freiheit, sich so zu entfalten, wie sie es möchten. Beispielsweise durch die fließenden Übergänge zwischen den Räumen. Erst durch die Bewegung wird der Raum erfahrbar. Es entstehen Raumfolgen, die eine Vielfalt von Nutzungsmöglichkeiten erlauben. Gleichzeitig verliert die Wand ihren abschließenden Charakter und dient nun zur Organisation des Wohnorganismus. Indem wir also Räume und nicht Raumbegrenzungen entwerfen und diese einer rhythmischen Dynamik unterwerfen, schaffen wir eine Raumkomposition, die auch durch die Lage – das Spannungsfeld zwischen Raum und Landschaft, neuer Architektur und der Aussicht zum See sowie auf die Alpen – von sinnlicher Präsenz geprägt ist.
Abschließend nochmals eine konzeptionelle Frage. Wenn man so einen Auftrag erteilt bekommt – mit solch einem exponierten Grundstück und solch einem Blick –, auf was kommt es da besonders an?
MARTIN BÄCHLE: Es kommt darauf an, dass der Architekt dem Ort mit Respekt begegnet. Denn nur wer als Grundlage das Wesen des Ortes begreift, kann auf diesem ein gelungenes Gefäß modellieren und mit diesem gute Räume einfangen.